leben verloren

wenn man das leben nicht mehr liebt
den tot vor augen sieht
sich nur wünscht endlich ruhe zu haben
an solch langen düsteren tagen

wenn man nicht mehr weiter weiß
sich gedanken drehn im kreis
jede minute wird zu qual
und es scheint einfach keine wahl

dann hofft man nicht mehr aufzuwachen
um nie wieder einen gedanken zu entfachen
der einem erklärt wie das leben ist
nicht einfach nur dunkel sondern enttäuschend, aussichtslos und trist

2007-09-10 silence-soul


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verloren

ihr könnt mich nicht finden
denn ich hab mich versteckt
ganz tief in mir drinnen
wo mich niemand entdeckt

ihr könnt mich nicht finden
denn ich hab mich verloren
in meinen gefühlen
bin ich zu oft gestorben

ihr könnt mich nicht finden
denn ich lebe allein
ganz tief in meinem herzen
kann niemand bei mir sein

ihr könnt mich nicht finden
zu viel zeit ist vergangen
ich bin somit
in meiner einsamkeit gefangen

2007-08-29 – silence-soul


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scherbenmeer


eben noch in vollem glanze
und mit vorsicht betrachtet das ganze
die zuversicht sich in den augen spiegelt
als wenn die zuflucht in ihnen ist besiegelt

und plötzlich:

vor mir liegt ein haufen scherben
ein spiegel zebrochen in tausend teile
jede einzelne schlug mehrere kerben
in einer langen kurzen weile

die ersten risse ohne konsequenzen
veränderten das bild nicht all zu sehr
doch alle weiteren die dann folgten
verunglimpften das spiegelbild um so mehr

das kartenhaus das jemand mühsam angefangen
fiel unter dem druck der last zusammen
die heile welt sie war zerfallen
in hunderte von einzellteilen

und nun:

vor mir liegt ein scherbenmeer
das keine lügen reflektiert
nur die realität noch zeigt
wie sie in wirklichkeit existiert

und alles das was übrig bleibt
ist die glatte kahle wand
langsam ist sie blutverschmiert
wie ein verunstaltetes kleines land

2007-03-15 (c) silence-soul

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das kind


das niemandem mehr vertraut
sich vor allem grault

das so erschüttert
innerlich nur noch zittert

das sich sorgen macht
und niemals lacht

das keinerlei gefühl mehr zeigt
nicht eine einzige träne weint

die lasten erträgt
denen es auferlegt

nach außen schweigt
obwohl es innerlich nur noch schreit

- ist gefangen in jedem -
der vergaß zu reden

es ist das kleine kind
das furchtsam
- vor allem aber -
dem leben entrinnt


2007-02-14 (c) silence-soul


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immer wieder depression


wieder vor dem abgrund stehend
schweigend
erstarrt
mit angst in den augen
zitternd vor hass

ein blick in die tiefe
undendlich weit
einfach nur leere
die noch schreit
spring doch und
du bist befreit

eine stimme den akt verneint
es ist die traurigkeit welche in mir weint
sie spricht
meine gefühle seien okay
und tun nur eine weile weh

ich müsse nur ausharren
vor dem loch
irgendwann gehe die depression
an einen anderen ort
schon fort

und doch
in meinem kopf
der gedanke bleibt
einen schritt weiter
und ich wär endlich frei


2007-02-01 (c) silence-soul

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heute nacht bin ich gestorben… (oder nicht?)


hallo

heute nacht bin ich offiziell gestorben
aber das ist nicht wahr
es war nur mein körper
meine seele ist schon lange nicht mehr da

mein kampf begann vor sieben jahren
da kam die erste depression
ein freund wurde vom zug überfahren
und meine beste freundin trieb es in die drogensucht

so stand ich da
fühlte mich hilflos und allein
ich wusste nicht wie mir geschah
und fuhr ins ferienlager ein

so melancholisch war ich noch nie
bis mich ein betreuer anschrie
ich überlegte nur oh nein
das kann es doch nicht wirklich sein

und so begann ich es
das spiel
ohne sinn und ohne ziel

auf meiner stirn schien ein wort eingebrannt
seelenmülleimer stand dort galant
angebliche freunde wussten ihn zu missbrauchen
dadurch legten sie stein für stein auf meinen seelenmülleimerhaufen

so wurde die mauer aufgereiht
und dunkelheit brach über mich herein
ich verlor mich in dieser düsteren welt
und auch meine gefühle waren bald wie abgestellt
ich dachte das war die schlimmste zeit
aber das sollte es noch lange nicht gewesen sein

nach der zehnten gingen viele fort
nur ich blieb an diesem ort
verlor dadurch jeglichen halt
und meine letzte freundin machte einen auslandsaufenthalt

bei eins eins null kilogramm war dann endlich stopp
ich hasste mich und meinen körper
mein leben war der reinste flop

ich flüchtete in den sportverein
und dachte es geht mir richtig gut
denn endlich hatte ich freunde
die mich auch trugen fort
an einen anderen ort

aber das sollte nicht lang so bleiben
denn ich wurde nur verarscht
von hinten bis vorne belogen
in mir brüllte alles nach verrat

das baute die mauer noch viel höher
die mich schon lange umgab
hüllte mich in eisiges schweigen
gab keine gefühlsregung mehr ab
und strich sämtliche erwartungen die man an die gesellschaft und das leben so hat

doch in der zwischenzeit arbeitete ich an mir
und entdeckte das essen ist nicht mehr mein ziel
sport war das wort der stunde und essen eine sünde
ich war hart zu mir und auch nicht immer fair
und so war es dass ich ihn betrat den weg zur meiner persönlichen ess
so kam es mit der zeit
zehn
zwanzig
dreißig kilo
lagen in der vergangenheit

das freute mich schon irgendwie sehr
meine familie noch viel mehr
auch die beachtung blieb nicht aus
was mir allerdings bereitete einen graus

ich erkannte ich hatte mehr als ein einziges problem
und stieß im netz auf ein portal
von nun an wusste ich mit sicherheit
ich bin nicht alleine aber vor allem nicht abnormal

ich fand einen sicheren ort
schließlich viele freunde auf meinem niveau
mit ähnlichen problemen
zur abwechslung war ich wirklich mal froh
denn sie schafften was andere zerstörten
brachten licht in meine welt
gewannen mein vertrauen
und ich fasste mir ein herz

das ausstauschjahr war auch vorbei und meine freundin wieder da
eine zweite war hinzugekommen
vertraute ihnen meine geheimnisse an
und startete so ins abijahr


diese periode war die reinste qual
doch wer nun denkt ich war glücklich zu bestehen
der irrt sich an diesem punkt total

nicht eine sekunde hab ich dafür gelernt
wollte mit aller macht verlieren
um endlich einmal sichtbar zu protestieren
aber auch hier hab ich versagt
weil ich nicht enttäuschen mag

also musste es irgendwie weiter gehen
ein fsj schien die erlösung herbei zu bringen
bereits nach drei wochen wollte ich schmeißen
aber ich musste mich zusammenreißen
denn den studienplatz hatte ich fort gegeben
wollte mich nicht selbst dazu bewegen

doch nebenbei brach wieder eine welt zusammen
und eine der dunkelsten stunden hatte für mich angefangen
ich fand ein messer in dieser schwarzen nacht
und entfachte zum allerersten mal die rote farbenpracht

am schluss fand ich gar ein wenig halt
im fsj jahr und dem kinderwald
sie schenkten mir mehr als nur ein kinderlachen
sie zeigten dass das leben auch kann spaß machen
ich beschloss in diesem land zu bleiben
und wählte eine ausbildung in diesem bereich zu betreiben

doch die welt stürzt immer wieder ein
kein ende scheint in sicht zu sein
ich kann meine gedanken und gefühle nicht mehr ertragen
alles ist chaos
an solchen tagen

inzwischen bin ich an der uni gelandet
und durch ein weiteres albtraumtal gewandelt
habe fünfzehn kilo zugenommen
und bin der essstörung immer noch nicht entkommen
auch die sv gehört dazu
genauso wie depri schlafstörung angst und co

jeden tag stelle ich mein leben in frage
meine entscheidungen nicht nur der letzten tage sondern jahre
ich fühle mich dumm kalt und leer
gefühle gibt es fast keine mehr



ich hab gelernt sie wegzuschließen
hinter trüben augen
die diese verdammte welt verließen

ich hab vergessen wer ich bin
und wo ich eigentlich wollte hin
was meine ziele waren
das wusste ich irgendwann vor sieben jahren

und wer nun denkt das sei alles gewesen
der hat sich in den vorangegangenen zeilen total verlesen

und deshalb noch ein letztes mal
hallo
heute nacht bin ich offiziell gestorben
aber das ist nicht wahr
es war nur mein körper
meine seele ist schon lange nicht mehr da

(c) silence-soul 2007-01-11



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